Studienzeit – Teil 2

Im Jahr 2008, nachdem ich bei Grundy UFA aufhörte und nachdem ich das Fernstudium an der Privaten FernFachhochschule abgebrochen hatte, wollte ich mit einem Direktstudium Angewandte Informatik (B.Sc.) bei der HTW Berlin beginnen. Bevor es dort aber losgehen konnte, mussten ein paar Vorbedingungen geschaffen werden. So musste ich erst mein Englisch weiter aufbessern und mich dort um einen Studienplatz bewerben. Es war nicht sicher, dass ich dort einen Studienplatz bekomme, da ich über den zweiten Bildungsweg kam und meine Hochschulreife nur für das Land Hessen galt. Die erste Bewerbung bei der HTW Berlin wurde abgelehnt, da kein Studienplatz mehr frei war. Ich musste ein weiteres halbes Jahr warten.

In der Zwischenzeit ging ich zum Arbeitsamt und bat dort um eine Weiterbildung zur Softwarepaketiererin bei EDCA Education Campus / NCConsult. EDCA sollte uns als Softwarepaketierer ausbilden und NCConsult sollte uns dann als Softwarepaketierer anstellen bzw. uns einen Arbeitsplatz zusichern. Das war die Klausel, die auch das Arbeitsamt von der Weiterbildungsmaßnahme überzeugte, auch wenn hier der Arbeitsvermittler zunächst skeptisch reagierte. Dass dieses Angebot später aber doch nicht so seriös sein sollte, stellte sich erst später heraus. Die Weiterbildung bei EDCA an sich schien seriös, wobei einige Dozenten besser und professioneller als andere waren, so musste der Dozent in unserem Falle einmal ausgetauscht werden, der neue Dozent war um vieles besser. Unseriös wurde es dann erst am Ende der Weiterbildung, als NCConsult in Erscheinung trat. Denn NCConsult konnte offensichtlich dessen Versprechen nur einhalten, wenn wir bereits erfahrene Softwarepaketierer sind. So wurde ich ausdrücklich vom Geschäftsführer der NCConsult gebeten, meinen Lebenslauf so zu fälschen, dass aus diesem hervorging, dass ich nicht erst jetzt Softwarepaketiererin gelernt habe, sondern schon mindestens 10 Jahre als Softwarepaketiererin gearbeitet habe. Der Druck, einen solch gefälschten Lebenslauf auszustellen, stieg natürlich mit jedem Tag zum Ende der Weiterbildung. NCConsult fragte mich letztendlich, ob diese nicht meinen Lebenslauf für mich anpassen dürfen, was ich ablehnte. Es waren noch andere Teilnehmer mit der Fälschung des Lebenslaufs nicht einverstanden, ich war da nicht alleine. Aber es gab einige, die am Ende aufgaben und einwilligten. Nebenher versuchte ich, mich selbst um einen Arbeitsplatz zu bewerben, um dem immer näher kommenden Schicksal zu entgehen.

NCConsult gängelte mich zum Schluss wirklich sehr stark, einen gefälschten Lebenslauf vorzulegen, und EDCA Education Campus unterstützte dies dann auch mit Bemerkungen warum ich das nicht einfach mache, was NCConsult von mir möchte. Warum wohl? Weil ich mich dann strafbar mache? Insofern war ich dann heilfroh, einen Brief im Briefkasten vorzufinden, der von der HTW Berlin stammte. Ich hatte endlich einen Studienplatz bekommen. Damit war das Thema EDCA Education Campus / NCConsult endlich für mich vom Tisch. Freudestrahlend fuhr ich zur Weiterbildungsstätte und verkündete die frohe Botschaft. Ich dachte, dass dann auch NCConsult zufrieden sein müsste, da sie für mich nicht mehr zwangshaft mit unseriösen Mitteln einen Arbeitsplatz beschaffen müssen. Der Geschäftsführer der NCConsult war davon aber gar nicht angetan, weil ihm damit offensichtlich eine Prämie für die Vermittlung entging, er reagierte ziemlich verärgert, was mir dann aber auch egal war. In einem anschließenden Gespräch mit dem Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt ließ ich dann ein wenig durchblicken, wie es bei EDCA Education Campus und insbesondere bei NCConsult ablief. Dieser war mir dankbar, aber er sagte mir auch, dass mein Anspruch auf Arbeitslosengeld I während eines Studiums verfällt. Aber auch das war mir egal. Ich hatte endlich meinen lang ersehnten Studienplatz erhalten! Der Arbeitsvermittler wünschte mir daraufhin viel Glück im Studium und alles Gute. Ich hatte mit ihm viel Glück gehabt, er war wirklich sehr kompetent.

Wenn ich heute nach EDCA Education Campus und NCConsult google, so gibt es wohl beide Unternehmen nicht mehr.

Nun, im Jahr 2009, begann endlich das Direktstudium zum Bachelor of Science Angewandte Informatik Fachrichtung Mobile Anwendungen an der HTW Berlin. Leistungen von der Privaten FernFachhochschule wurden anerkannt. Die ersten 4 Semester waren recht schwer und es galt, diese zu überstehen, was ich dann auch schaffte. Danach war auch die HTW Berlin daran interessiert, uns bis zum Abschluss durchzubringen. Das Studium war zum Ende hin sehr aufregend und sehr interessant. Ich durfte an einer sehr interessanten Forschungsarbeit am Fraunhofer Institut PKI Berlin teilnehmen. Im Jahr 2012 erlangte ich meinen Bachelor Abschluss.

Fraunhofer IPK – 3D CAVE
Projekt „AR-DMU Ford“ (Fraunhofer IPK)

Nach Abschluss des Bachelor-Studiums wollte ich aber noch gar nicht aufhören zu studieren, so sehr Spaß hatte es gemacht. So hing ich noch das Master-Studium Angewandte Informatik Fachrichtung Mobile Computing hinten dran, welches nicht weniger interessant war und sogar noch mehr Spaß machte. Die Master-Arbeit schrieb ich dann am DESY in Hamburg, welches zur Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gehört und sehr eng mit dem CERN zusammenarbeitet. Im Jahr 2014 erlangte ich erfolgreich meinen Master Abschluss, nun war ich ein Master of Science Angewandte Informatik. Einen Doktor wollte ich dann nicht mehr machen, womit hier dann meine Studienzeit endete. Nach dem Studium stieg ich unmittelbar wieder in das Berufsleben als Softwareentwickerin ein.

DESY in 8 Minuten
Cloud-Interface in dCache (DESY)

Ich möchte dem Fraunhofer Institut IPK und insbesondere dem DESY für den tollen Einblick danken. Es war eine sehr schöne Zeit.